• silvia1479

Pflanze des Monats November - Hanf


Cannabis sativa L.

Wenn man vor einiger Zeit durch Môtier (Vully Schweiz) gefahren ist, hat das Dorf einen aromatischen Duft verströmt. Leider kann ich Sie nicht mehr zu einer Duftprobe einladen, denn er wurde schon geerntet. In Môtier wird CBD Öl hergestellt.

Hanf zählt zu den ältesten Nutz- und Zierpflanzen der Welt. Hanf enthält viele Wirkstoffe. Am bekanntesten sind Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD). THC hat eine berauschende Wirkung. Daher gilt Cannabis als verbotenes Betäubungsmittel. CBD ist nicht berauschend. Diesem Wirkstoff werden beruhigende, schmerzstillende, krampflösende und antioxidative Wirkungen zugeschrieben. Der Konsum von CBD führt zu keiner Abhängigkeit. Es gibt Hanfsorten, die nur geringe Mengen THC enthalten. Diese gelten in der Schweiz nicht als verbotene Betäubungsmittel. Aber nur, wenn sie weniger als 1 Prozent THC enthalten.

In Deutschland ist CBD Öl mit einem THC-Gehalt unter 0,2 Prozent legal.

Hanf bietet aber weit mehr und hat eine lange, alte Geschichte: Als älteste Spuren einer Nutzung von wild gesammeltem Hanf zur Fasergewinnung gelten Fasern aus der Dzudzuana-Höhle in Georgien, deren Alter auf etwa 30.000 Jahre geschätzt wird. In der berühmten Fundstelle Dolní Věstonice in Südmähren (Tschechien) wurden Abdrücke von genutzten Fasern entdeckt, die vermutlich etwa 26.000 Jahre alt sind. Der Ursprung des Anbaus von Nutzhanf als Kulturpflanze wird in China vermutet, nach archäologischen Funden und schriftlichen Quellen soll er etwa 5000 bis 6000 Jahre alt sein. Über Spanien fand im 13. Jahrhundert eine weitere Anwendung der Hanffaser ihren Weg nach Europa - die Papierherstellung. Da die Papierherstellung aus Holz damals noch nicht beherrscht wurde, war Hanf neben Lumpen, die selbst oft aus Hanf bestanden, der wichtigste Rohstoff für die Papierproduktion. So entstand in Nürnberg 1290 eine erste Papiermühle und Gutenberg druckte 1455 seine berühmte Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier. Viele mittelalterliche Waffen wie etwa der Langbogen, dessen Sehnen aus Hanf bestanden, wären ohne die robuste und widerstandsfähige Hanffaser, die enorme Zugkräfte aushält, nicht anzufertigen gewesen. Hanfseile und Segeltuch aus Hanf waren in der Schifffahrt wichtig, da die Faser sehr widerstandsfähig gegenüber Salzwasser ist und weniger Wasser aufnimmt als Baumwolle, Baumwollsegel würden bei Regen derartig schwer, dass die Masten brechen könnten. Auch Flachsleinen war ein schlechter Ersatz, da es bei Kontakt mit Wasser binnen weniger Monate verrottet. Hanf wurde auch seit jeher für die Herstellung von Bekleidung genutzt. Die ältesten Funde zur Verwendung von Hanffasern für die Fertigung von Textilien stammen aus China um 2800 v. Chr. Die alten Griechen und Ägypter kleideten sich auch mit Hanf, Kleidung aus Hanfgewebe wird von Herodot (450 v. Chr. griechischer Geschichtsschreiber, Geograph und Völkerkundler.) erwähnt. Zwischen 300 v. Chr. und 200 n. Chr. wurde Hanf in China als Heilmittel gegen Malaria, Rheuma und viele andere Unpässlichkeiten eingesetzt. Plinius der Ältere (1.Jh. römischer Gelehrter, Offizier und Verwaltungsbeamter) schreibt, dass Hanf Schmerzen lindere, und Dioscurides (1.Jh. griechischer Arzt) berichtet von der Wirksamkeit des Saftes der Hanfsamen gegen Ohrenschmerzen. Vom Mittelalter bis in die Neuzeit wurden aus Hanf Mittel zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzen gewonnen.

Seid einiger Zeit sind die pharmakologische Wirkungen von Cannabis in den Fokus der medizinischen Forschung gerückt. Studien weisen auf ein mögliches arzneiliches Potential von medizinischem Cannabis bei gewissen Krebsformen. Die medizinische Anwendung von Cannabis und Cannabinoiden wird derzeit intensiv erforscht. Für die Ernährung bietet der Hanf auch einiges. Die Hanfsamen finden als Futtermittel Verwendung. Sie kommen vor allem in Vogelfuttermischungen und Kornfuttermischungen für Nagetiere (häufig für Meerschweinchen und Kaninchen) vor. Sie haben wie alle Sämereien einen hohen Fettgehalt und sorgen daher gerade bei Jungtieren für schnelles Wachstum. Hanfsamen, die für den menschlichen Verzehr hergestellt werden, enthalten Proteine, Kohlenhydrate und Fette (hauptsächlich in Form von Hanfsamen-Öl) ebenso wie einen hohen Anteil an Ballaststoffen und verschiedene Vitamine und Mineralien. Hanfnüsse und Hanföl enthalten mehr als 90 % mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Hier sind besonders die essenziellen Fettsäuren Linolsäure und Alpha-Linolsäure (Omega-3-Fettsäure) hervorzuheben. Hanföl ist ein sehr wertvolles Speiseöl. Es eignet sich sehr gut für die Küche, nicht nur wegen seines besonderen Geschmacks. Besonderst im Herbst liebe ich Kürbissuppe - mit Rahm und ein wenig Hanföl, dazu einen Nüssler-Salat (Feldsalat) mit gerösteten Hanfsamen, es gibt sie auch geschrotet, das ist einfach köstlich. Probieren Sie es mal!

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