• silvia1479

Pflanze des Monats September - Wegwarte


Cichorium intybus

Von der Sommersonnenwende an blüht die Wegwarte unentwegt bis zur Herbsttagundnachtgleiche, wenn die Sonnenkraft wieder schwindet. Sie hält einen ganz bestimmten Zeitrhythmus ein. Morgens gegen sechs Uhr, öffnet sie ihre kurzlebigen, jeweils nur für einen Tag, zarten, himmelblauen Blüten, gegen Mittag schliesst sie diese wieder. Die Blüten richten sich alle gegen Osten, zur Sonne hin. Bedecken dunkle Wolken den Himmel, dann öffnet sie ihre Blütenköpfchen überhaupt nicht. Sind sie geschlossen, hebt sich die Pflanze kaum noch gegen ihre Umgebung ab.

Die Gemeine oder Gewöhnliche Wegwarte, auch Zichorie genannt, ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in Europa, Westasien und Nordwestafrika heimisch, daneben wurde sie in Afrika, Nord- und Südamerika eingeschleppt. Wie der Name schon sagt, wächst die Wegwarte bevorzugt an Wegrändern. An unbebauten Stellen, Ackerrändern und Bahndämmen findet man sie oft. Im Frühling wachsen die Rosettenblätter, die an Löwenzahn erinnern, jedoch eher gröber gezackt sind.

Später im Sommer wächst ein sparrig verzweigter Stengel bis zu einen Meter hoch mit kleinen Blättern etwa alle zehn Zentimeter. An diesen Blattachseln blühen die blauen Blüten.

Verwandte uns bekannte Salate sind Chicorée, Radicchio und die Wurzelzichorie. Die Salatzichorie (Cichorium intybus var. foliosum) liefert den Chicorée. Verwandt ist sie auch mit der Endivie (Cichorium endivia) - Endiviensalat. Diese Pflanzenart wird seit spätestens dem Mittelalter zur Arzneimittelherstellung genutzt. Paracelsus empfiehlt sie als schweisstreibend, Pfarrer Kneipp bei Magen- Darm- und Lebererkrankungen. In der Pflanzenheilkunde wird sie zur Stimmulierung und zur Heilung von Milz, Leber und Galle eingesetzt, sie wird auch bei Hautkrankheiten und Ekzemen angewendet. Sie wirkt anregend auf Appetit und die Verdauung. Sie soll auf die Psyche eine beruhigende und Stress mildernde Wirkung haben.

1938 schrieb Gerhard Madaus (Mediziner):

"Wegen seiner umfassenden Wirksamkeit und Zuverlässigkeit wird Cichorium ... zu den wichtigsten Pflanzenheilmitteln gezählt“.

In der ayurvedischen Medizin wird sie als Arzneimittel für die Leber verwendet, meist in Kombination mit Schwarzem Nachtschatten, Senna und Schafgarbe. In der Homöopathie wird sie bei Erkrankungen der Leber, Galle und Bauchspeicheldrüse angewendet. Es gibt sie auch als Bachblüte - Chicory - hier steht sie für Offenherzigkeit.

Verwendet werden Wurzel, Blätter und Blüten. Inhaltsstoffe sind Inulin, Bitterstoffe, Intybin, Zucker, Harz, Kalisalze, Cichoriin, Gerbsäure, ätherisches Öl, Mannan, Petein, Lacoulin.

Gesammelt kann die Wurzel von März-April und Oktober-November werden, sie kann als Tee oder Tinktur gegen Verdauungsprobleme eingenommen werden. Die Blätter werden von Juni-September und die Blüten von Juli- September gesammelt. Die Blätter helfen gegen Hautprobleme. Aufgrund des hohen Inulingehaltes ist die Wegwartenwurzel auch als Nahrungsergänzung für Diabetiker geeignet.

Bekannt ist die Zichorie auch als Kaffee, sie wurde geröstet zunächst dem Bohnenkaffee zugesetzt, um diesem mehr Farbe und Bitterkeit zu verleihen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wurde sie allein als Kaffeegetränk (Ersatzkaffee) verwendet. Und Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sie weit verbreitet angebaut, heute spielt sie jedoch als Kaffeegetränk keine grosse wirtschaftliche Rolle mehr, das bekanntestes Produkt mit einem Anteil an Wurzelzichorie ist Caro-Kaffee. Gleichwohl erlebt ihr Anbau gegenwärtig eine Renaissance, da aus Wurzelzichorie der von der Lebensmittelindustrie vermehrt für sogenannten Functional Food eingesetzte, präbiotische Ballaststoff Inulin gewonnen wird. Für die Herstellung des Zichorienkaffees schneidet man die Wurzel in kleine Stücke und trocknet sie. Anschliessend werden sie langsam ohne Fett geröstet, die gerösteten Wurzelstücke werden gemahlen, das Pulver kann man aufbrühen wie Bohnenkaffee. Das Aroma des Getränks erinnert schwach an Kaffee. Auch im Handel kann man fertigen Zichorienkaffee kaufen.

Es gibt viele Mythen über die Wegwarte, sie verleiht unglaubliche Zauberkräfte, vor allem im Liebeszauber. Sie soll dem Träger, der nach einem bestimmten Ritual ausgegrabenen Pflanze, im Kampf unbesiegbar und allgemein unverwundbar machen. Unter dem Kopfkissen einer Jungfrau soll im Traum der zukünftige Ehemann erscheinen. Wird die Pflanze am Peterstag (22.Februar.) mit einem Hirschgeweih ausgegraben, dann kann man jede Person betören, die man damit berührt.

Einer alten Sage nach seien die Blüten der Wegwarte die blauen Augen eines Burgfräuleins, das am Wege vergeblich auf die Rückkehr ihres Geliebten vom Kreuzzug in das Heilige Land wartete.

Einige umgangssprachliche Namen für die Wegwarte sind:

Wandelistengel, Wegeleuchte, Wegerein, Wegluaga, Weglug, Zichorjen, Zuckerei, Blaue Distel, wilder Endifi, rauher Heinrich, Kaffeekraut, Sonnendraht, Sonnenwirbel,

Arme-Sünder-Blume, Zigeunerblume.


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